Mindestzins , Performance , Reformen , Umwandlungssatz

13. September 2020 19:55

Reform vergessen

Unter dem Titel "Wie stabil ist die zweite Säule?" schildert die NZZ am Sonntag die aktuellen Herausforderungen der zweiten Säule, der beruflichen Vorsorge. 

Es steht viel Richtiges in diesem Artikel. Ein paar Auszüge:

"Unsere Pensionskassen verfügen über Reserven. Per Ende August hat das Vorsorgevermögen, das sie verwalten, die Verpflichtungen überstiegen. Dieses Verhältnis von derzeit 106,8% nennt man Deckungsgrad. ...

Der Anlagemix der Pensionskassen hat von Januar bis August eine Rendite von 0,3% abgeworfen. Es ist zwar erfreulich, dass das Anlageresultat überhaupt im positiven Bereich liegt. Allerdings genügt eine solche schwarze Null bei weitem nicht, um die finanzielle Situation der zweiten Säule stabil zu halten. ... 

Complementa geht davon aus, dass die Vorsorgewerke bis Ende Jahr eine Rendite von rund 2,2% erzielen müssen, um den gegenwärtigen Deckungsgrad von 106,8% halten zu können. Aber wieso? Die Kassen verzinsen allein das Vorsorgekapital der Rentner im Schnitt mit einem Zins von 1,9%. Auch die Berufstätigen wollen auf ihrem Alterskapital etwas Rendite gutgeschrieben bekommen. Und es fallen eine Reihe von weiteren Kosten an. In der zweiten Säule muss laufend Geld zurückgelegt werden für die steigende Lebenserwartung und andere Parameter-Anpassungen. Dazu kommen Aufwendungen für die Versichertenverwaltung. Vor allem gilt es Reserven für sogenannte Pensionierungsverluste zu bilden. Diese entstehen immer, wenn jemand mit einem zu hohen Umwandlungssatz in den Ruhestand geschickt wird. Die Kassen senken den Satz, mit dem ein Altersgut­haben in eine jährliche Altersrente umgewandelt wird, zwar laufend. Trotzdem hinkt der Umwandlungssatz der versicherungsmathematischen Realität immer noch hinterher.

Der Umwandlungssatz liegt im Schnitt bei 5,57%.
Konkret bedeutet dieser Wert, dass ein Alterskapital von 600000 Fr. beim Erreichen des Pensionsalters in eine jährliche Rente von 33420 Fr. umgewandelt wird. Dumm nur, dass auch der durchschnittliche Umwandlungssatz von 5,57% noch zu hoch ist.

Er müsste aber noch tiefer sein, nämlich 4,68%.
Bei diesem Umwandlungssatz, der laut Complementa versicherungsmathematisch angebracht wäre, ergäbe dasselbe Alterskapital von 600000 Fr. nur noch eine jährliche Rente von 28080 Fr. Die Umwandlungssätze werden also weiter sinken. Doch wer bezahlt bis dahin überhöhte Neurenten und all die Pensionen von Personen, die in der Vergangenheit mit noch viel vorteilhafteren Konditionen in den Ruhestand gehen konnten? Natürlich die Jungen. Allerdings ist dieser Rentenklau gut kaschiert.

Nur 20% der Rendite gehen an die aktiv Versicherten.
Wie perfide die Umverteilung von Jung zu Alt ist, hat sich letztes Jahr gut gezeigt: Die Pensionskassen haben 2019 im Schnitt eine sehr gute Performance von 10,7% erwirtschaftet. Ein Vorsorgekapital von 600000 Fr. hätte so eigentlich auf 664200 Fr. anwachsen müssen. Doch Arbeitnehmer haben nur 20% der Rendite, die mit ihrem Kapital erzielt worden ist, gutgeschrieben bekommen: 614400 Fr., um auf unser Zahlenbeispiel zurückzukommen. Der Rest floss in die Reserven. Gemäss dem Raiffeisen-Barometer ist das Vertrauen der Befragten in die berufliche Vorsorge ­zurückgegangen – jenes in die dritte Säule ­jedoch auf einem viel höheren Niveau weiter gestiegen. Dort gibt es keine Umverteilung."

BVG-Reform geplant

Was am Artikel stört, ist die nicht unwesentliche Information, dass zur Zeit eineReform der zweiten Säule vorbereitet wird, in deren Zentrum die Senkung des Mindest-Umwandlungssatzes stehen wird und dass der ASIP schon im Mai 2019 dafür einen Vorschlagpräsentiert hat, der keine unnötigen Kosten verursachen würde. 

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